Ferien Zuhause. Oder: Zurück in die Kindheit.

IMG_7193Ich bin mit Sack und Pack und Hund angereist – 9 Stunden Fahrt in der sengenden Sonne mit versagender Klimaanlage. Nicht gerade das, wovon man träumt. Und dann bin ich da: Ich sehe das Heimatdorf schon Kilometer, bevor ich da bin, nahen. Ich kenne jeden Stein, jedes Feld – und fast jeden Baum. Und natürlich kenne ich das Zuhause; biege von der Dorf-Straße ab – und freue mich riesig über das Wiedersehen mit meinen Eltern! Herrlich, Zuhause zu sein!

Das Korn steht hoch. Die Traktoren sind unterwegs – bald auch die Mähdrescher. Die Beregnungsanlagen begießen den Kartoffelacker vor dem Haus. Die Sonne scheint. Ein leichter Wind geht. Es ist ziemlich warm – und die Erde riecht, v.a. am Abend, wenn die Sonne sich senkt, wie es eben nur in der Heimat der Seele riechen kann. 20 Kilo schwarze und rote Johannisbeeren stehen bereit um zu 55 Gläsern Johannisbeer-Gelee (das Beste der Welt!) verarbeitet zu werden.

Und dann ist in meinem Heimatdorf, das ca. 700 km entfernt von meinem jetzigen Zuhause liegt, auch noch das jährliche Highlight im Dorfkalender – das Schützenfest… Ich radele mit dem Fahrrad um das Dorf um dem Schützenumzug zu folgen, blicke über die Koppeln und halte nach dem Pony „Fedor“, auf dem ich als Kind das Reiten lernte, Ausschau. Fedor ist vermutlich seit 20 Jahren im Pferdehimmel – aber während ich mit meinem Vater um das Dorf radele bin ich auf einmal wieder das kleine Mädchen in den Sommerferien, die damals ewig dauerten und voller wunderbarer Erlebnisse waren.

Der Mensch hat 5 Sinne. Und ich nutze diese in den „Zuhause-Ferien“ gerade ganz intensiv! Ich rieche die Erde und die Pferde; ich schmecke die Kochkünste meiner Mutter; ich höre – jetzt beim Umzug der Schützengesellschaft – mit den Bläsern die Klänge meiner Kindheit und ansonsten das Gurren der Tauben; ich ertaste barfuß das Gras im Garten und ich bewundere den Sommer und seine optische Fülle.

Ich frage mich, ob die eigene, glückliche Kindheit etwas mit der Sehnsucht nach einem Kind zu tun hat. Möchte man das eigene erlebte Glück, die eigene erlebte Sorglosigkeit weitergeben – oder ist es die Sehnsucht nach dem Wiedererleben der eigenen schönen Kindheit mittels eines eigenen Kindes? Oder etwas Anderes?
Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass mich diese Zuhause-Ferien mich sehr leicht fühlen und glücklich sein lassen. Und jetzt muss ich aufhören – es gibt Nudelauflauf. Noch so eine glücklich machende Kindheitserinnerung.

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Kindersehnsucht – Kinderwunsch – München

 

Franziska Ferber
Franziska.Ferber@kindersehnsucht.de