Neues Interview: Wir werden immer die Herzeltern für unsere Adoptivtochter sein!

Hallo! Als ich neulich den Aufruf bei Instagram gestartet habe und die dort versammelten Kinderwunschlerinnen gebeten habe, ihre Geschichte des Kinderwunsches zu erzählen, war mir klar, dass ich am Ende sehr unterschiedliche Geschichten erhalten würde, um diese dann – um Mut zu machen und Schönes aber auch Unschönes beim Kinderwunsch zu teilen – auf meinem Blog erzählen zu dürfen. Und genau so ist es auch gekommen… die letzten Interviews, die ich veröffentlichen durfte, waren so verschieden, wie der Kinderwunsch und das Erleben dessen ist. Eine von den Kinderwunschlerinnen, die sich meldeten, war die liebe ‚tigerfamilieee‘ wie sie bei Instagram heißt. Aus Schutz für ihre Tochter soll es auch dabei bleiben… und ich unterstütze den Wunsch nach Anonymität natürlich vollkommen.

Was schreibt ‚tigerfamilieee‘ über ihren Weg? Lest es selbst… ich bin gerührt über so viel Liebe!

***

Ich bin 1986 in Sachsen geboren, habe für 8 Monate in den USA gelebt und anschließend meine Ausbildung in der Touristikbranche gemacht. 2006 lernte ich meinen jetzigen Ehemann kennen und lieben. 2008 heirateten wir. Das war auch der Beginn unseres Kinderwunsches – wir wollten früh Eltern werden und mindestens 2 Kinder haben.
 
Deine Geschichte des Kinderwunsches:
Nachdem die ersten Jahre nichts passierte, machten wir uns so langsam unsere Gedanken. Wir wollten uns zunächst keinen Druck aufbauen und schoben es auf den Stress auf der Arbeit. Wir trauten uns einfach nicht, der „Sache“ auf den Grund zu gehen. Eine Freundin riet mir damals mich doch mal mit einer Kinderwunschklinik in Verbindung zu setzen. Ich fragte sie wozu, schließlich meinte mein Frauenarzt bei mir wäre alles in Ordnung, und sie sprach das aus was wir beide nie wahrhaben wollten. Nämlich dass es vielleicht gar nicht an mir liegt. Egal was auch immer der Grund sei so eine Kinderwunschklinik ist spezialisiert und würde es schon herausfinden. Es dauerte nochmals einige Monate bis wir uns wirklich dazu durchgerungen haben. Es war das Beste was wir machen konnten. Die Ärztin, welche uns betreute, war super lieb und während ich noch so erzählte dass ich immer wieder gesagt bekommen habe, man sollte nicht daran denken, einfach geschehen lassen, sagte sie: „Nix da! Sie haben den Wunsch, jetzt sind Sie hier und wir werden alles geben, damit es klappt!“ Wow,  das machte Hoffnung. Das Ende der Untersuchungen erwies, dass für uns nur der Weg einer künstlichen Befruchtung in Frage kommen würde. Die erste ICSI, so sagte man uns auch, war eher zum üben und sei meist nicht so erfolgreich. Bei der 2. ICSI klappte es dann auch bei uns. Was waren wir glücklich! Umso herber der Schlag, als wir nach Wochen des Bangens inkl. Krankenhausaufenthalt etc. erfuhren, dass unser kleines Würmchen es nicht geschafft hatte. Das Herz, was wir Tage zuvor noch haben schlagen sehen, hatte einfach aufgehört zu schlagen. Ich war in der 9. Schwangerschaftswoche und es war Nikolausabend … . Es dauerte einige Monate bis wir wieder bereit waren einen neuen Versuch zu wagen. Zudem kam der Papier-„krieg“ mit der Krankenkasse welche uns aber immer super unterstützte!  ICSI Nr. 3 + 4 blieben erfolglos – trotz immer höherer Dosen und super befruchteter Eizellen.  Am Ende entscheidet halt doch immer der Körper und meiner hatte sich dagegen entschieden. Wir fielen in ein großes Loch der Leere und der immer stärker werdenden Trauer.
 
Was erlebtest Du im Alltag als größte Hürde?
In dieser Zeit waren Schwangere, glückliche Mütter, spielende Kinder, die Schulkinder an der Bushaltestelle vor unserem Haus und all das der absolute Horror für mich, immer wieder dachte ich, dass hätte ich sein können, warum dürfen wir dieses Glück nicht erfahren?
 
Was waren die schönen Seiten?
Die Nähe und der Zusammenhalt mit meinem Mann. Diese Zeit wird uns auf ewig verbinden und hat unsere Beziehung so viel intensiver gemacht. Er, der wenig über seine Gefühle redete hat sich mir geöffnet und ich habe in ihm meinen Zuhörer gefunden, den Menschen der mir an der Nasenspitze ansieht wenn etwas nicht stimmt. Meinen Unterstützer, meine Starke Schulter – meinen Herzensmann eben.
 
Was tust Du, wenn Du einen schlechten Tag hast, um Dir selbst Kraft und Zuversicht zu spenden? Was ist Dein Tipp für die Leser?
Ich zünde eine oder mehrere Kerzen an. Kuschel mich in eine Decke, schließe die Augen und reise in Gedanken an einen wunderschönen Strand (wie zu unserer Hochzeitsreise) – dort sehe ich unser kleines Mädchen im Sand spielen, dort kann ich mit ihr gemeinsam kuscheln und gemeinsam reisen wir durch die Erinnerung an diesen tollen Urlaub und entdecken die Schönheit der Inseln. Danach habe ich meist wieder ein Lächeln auf den Lippen. Ich bin mir sicher ein jeder hat einen Ort, ob Zuhause oder im Urlaub, wohin er sich zurücksehnt und dort kann man der Fantasie freien Lauf lassen.
 
Warum ist ein Kinderwunsch Coaching aus Deiner Sicht hilfreich?
Ich hatte damals keine Ahnung welche Möglichkeiten es gibt, traute mich kaum im Internet zu recherchieren. Ein Coaching kann einem die Angst nehmen. Schon allein zu wissen man ist nicht alleine, es gibt so viele Frauen denen geht es genauso. Ich wünschte ich hätte all die lieben Frauen, die ich heute kenne, schon damals gekannt.
 
Wie ging es danach weiter?
Am Ende standen die Fragen: War das alles? Soll es das für uns gewesen sein? Würden wir nie eine richtige Familie werden können? Sicher war, dass es keine weitere ICSI mehr geben würde. Dieses Warten, Bangen und Hoffen – um vielleicht am Ende doch wieder enttäuscht zu werden oder gar schlimmer noch, wieder ein Baby zu verlieren. Ich glaube ich wäre daran zerbrochen. Doch es gab einen Gedanken der uns immer mehr und mehr in den Sinn kam. Was ist mit einer Adoption. Können wir ein fremdes Kind lieben wie ein eigenes? Eine Vorstellung mit der ich am Anfang nur schwer leben konnte, ich wollte einfach noch nicht aufgeben. Und dann eines Tages hatte ich es verstanden. Vielleicht sollte es so sein, vielleicht ist da draußen ein Würmchen, was uns braucht und vielleicht wäre es besser ich würde meine Energie in genau diese Richtung lenken. Mein Mann hatte das schon viel eher begriffen, ließ mir aber meine Zeit. Und so starteten wie ein völlig neues Kapitel in unserem Leben. Wir zogen zurück in meine Heimat, in das Haus meiner Vorfahren wo auch bereits meine Eltern und Großeltern wohnen. Wir fingen beide bei neuen Arbeitgebern an und als wir es uns halbwegs heimelig gemacht hatten, wagten wir DEN Schritt. Wir machten einen Termin beim Jugendamt. Nach dem ersten Gespräch wären wir zwar ernüchtert, denn es gibt keine Garantie dass es jemals klappen würde, doch unser Herz war bereit dazu und so ließen wir uns prüfen und ließen Hausbesuche über uns ergehen. Am Ende stand ein Urlaub. Ich sagte zu meinem Mann, als Belohnung und überhaupt wer weiß wann wieder, möchte ich einmal so richtig weit weg. Es ging nach Mittelamerika.

Und dann war er da der große Moment – wir konnten es nicht glauben. Sollte unser Traum einer kompletten Familie wahr werden? Es war ein magischer Moment als wir unsere kleine Prinzessin das erste Mal sahen. Wie sie da lag in Ihrem Krankenhausbettchen so hilflos und allein. Es war Liebe auf den Ersten Blick – alles was drum herum gesagt wurde war plötzlich so weit weg. Da lag sie unser Mädchen so winzig und perfekt. So musste sich eine Mutter nach der Geburt auch fühlen. Dieses vollkommene Glück. Die kommenden Tage waren natürlich aufregend und stressig zugleich. Wir hatten ja nichts und auch keinen Geburtsvorbereitungskurs oder ähnliches, keine Liste oder gar einen Plan. Und doch klappte alles wie am Schnürchen. Auch Zuhause klappte schnell alles so wie es sein sollte. Bei all der Freude war da aber zum einen auch die Dankbarkeit der Bauchmama gegenüber, dass sie diesen Schritt gegangen ist um Ihrem Kind eine andere, bessere Zukunft zu ermöglichen, zum anderen aber auch die Angst sie oder das Jugendamt könnten sich um entscheiden und uns unsere kleine Prinzessin wieder weg nehmen. Doch die Zeit verging, wir wuchsen als Familie zusammen und die Kleine und ich haben mittlerweile einen 6. Sinn füreinander.

Ich bin fasziniert und zugleich voller Liebe für dieses kleine Wesen welches nun ganz offiziell unseren Familiennamen trägt und für immer unsere Tochter sein wird. Und aus tiefster Dankbarkeit der Bauchmama gegenüber und für die Zukunft unserer Prinzessin trägt diese in Ihrem Namen ein Teil ihrer Vergangenheit immer mit sich. Sie ist etwas ganz besonderes und wird es immer bleiben! Adoption ist das Beste was uns je passieren konnte und an alle Mama’s da draußen, die Zweifel haben ein fremdes Kind nicht lieben zu können: Wischt diese Zweifel beiseite denn Kinder sind kleine Wunder, Geschenke und das Schönste überhaupt, man kann sie einfach nur lieben.

 
* Für die Liebe unseres Lebens – für unsere Adoptivtochter – wir werden für immer deine Herzeltern sein! * — Deine tigerfamilieee
***
So viel Liebe – so viel Größe – so ein großes liebevolles Herz! Liebe ‚tigerfamilieee‘, ich danke Dir von Herzen. Ein ganz neuer Blickwinkel… ganz neue Erlebnisse… und so wahr. Ich freue mich so mit, dass Du, dass Ihr Euern Wunsch nach einem Kind erfüllen konntet… nicht so, wie Ihr das ursprünglich einmal dachtet – sondern ganz anders. Aber: Es ist gut geworden. Dein Foto, dass Du für diesen Post zur Verfügung gestellt hast, zeigt genau das: Manchmal muss man erst durch die Büsche schauen um das Meer zu sehen… und das sich liebende Päärchen, das genau das geschafft hat!
img_0625
Und warum? Weil da so viel Liebe ist. Und genau das wünsche ich Euch für Euren restlichen gemeinsamen Lebensweg mit dem Mädchen: Liebe, Achtsamkeit, Mut, Miteinander… und ganz, ganz viel Vertrauen miteinander! Von Herzen: Alles Gute!
Was können wir daraus ziehen? Ich glaube, es kommt der Punkt im Leben, an dem man den Widerstand aufgeben muss. Das Hadern zurückfahren muss, sich damit auseinander setzen muss, was ist – nicht was man gerne hätte. Aber an dieser Stelle gleichen wir Wunsch und Wirklichkeit (so heißt mein Online Kinderwunsch Coaching Kurs (klick!) – passt hier einfach so gut, das zu erwähnen 🙂 ab. Wir prüfen, was wir uns wünschen und was wir haben. Das Ergebnis ist allzu oft die Feststellung eines Mangels – etwas fehlt uns. Wir vermissen etwas – und das macht uns dann unzufrieden, unglücklich… oder lässt uns sogar stark leiden.
Die liebe ‚tigerfamilieee‘ musste das auch durchleben… aber irgendwann hat sie sich entschieden, den Mangel zurückzustellen und sich auf die mögliche Fülle im Leben zu konzentrieren. Sie hat das eine losgelassen… und das Andere (ihr kleines Mädchen, das Familienglück) gewonnen. Sich zu stellen ist schwer, tut weh und macht Angst. Aber meistens werden wir belohnt, wenn wir es wagen, uns dem zu stellen, was ist – und dann einen Weg dort heraus zu suchen.
Wann warst Du das letzte Mal für Dich selbst mutig? Wann hast Du das letzte Mal Dich dem gestellt was ist – um daraus einen neuen Weg abzuleiten? Wenn Du dabei Unterstützung brauchst, melde Dich gerne bei mir. Manchmal braucht es nur einen Schupps in die richtige Richtung, eine Ermutigung, ein „was wäre, wenn ich mich trauen würde“-Durchspielen. Als Kinderwunsch Coach habe ich dabei so viel Erfahrung mit so schönen Ergebnissen. Gerade schrieb mir eine Kundin, die ich über den Online Kurs begleitet habe, eine zauberhafte Karte (ja, so richtig: Karte, Briefumschlag, Briefmarke… und dann in den Briefkasten – für mich etwas Besonderes!). Sie schreibt mir: „(…) ganz herzlichen Dank für die lieben und unterstützenden Worte. … ich denke immer an diese Worte und versuche mich zu beruhigen. Das hilft!!! Herzlichen Dank für Alles!“. Ist das nicht schön? Ist es nicht schön, wenn man sich Hilfe suchen kann für etwas, wo man selbst nicht mehr so genau weiss, wie man sich selbst am besten helfen kann? Wenn man sich beraten und unterstützen lässt von jemandem, der alles selbst durchlebt hat… und viele Tipps weitergeben kann. Ich finde schon. Und ich bin dankbar dafür, dass mein eigenes Kinderwunsch-Leid nun Gutes tut, in dem ich anderen, die da sind wo ich vor einigen Jahren selbst noch stand, helfen darf.
Ja, manchmal ist es gut, sich dem, was vor einem liegt zu stellen und mit jemanden darüber zu sprechen, der selbst weiss, wie es sich anfühlt, weil er oder sie es selbst erlebt hat… und dann aber auch professionell gut aufgestellt ist, um wirklich zu helfen. Ich bin selbst Kidnerwunschlerin (aD) und Coach. Melde Dich, wenn Du glaubst, dass es mit einem Gespräch, einem Coaching, einem Schupps für Dich leichter wird. Oder buch‘ den Online Coaching Kurs „Mein Kinderwunsch – was tun zwischen Wunsch und Wirklichkeit?!“ (klick) – ich bin sicher, es wird Dir gut tun!
Wann warst Du das letzte Mal für Dich selbst mutig? Wann hast Du das letzte Mal Dich dem gestellt was ist – um daraus einen neuen Weg abzuleiten?
Alles Liebe von Herzen zu Dir und insbesondere zu ‚tigerfamilieee‘!
Deine Franziska Ferber
Franziska Ferber
Franziska.Ferber@kindersehnsucht.de