Schwanger werden; ein Kind bekommen – das kannst Du also auch nicht?!

„Du sitzt im Auto, träumst vor Dich hin, hörst mit halbem Ohr Radio – und stellst auf einmal fest, dass Du nicht mehr guten Liedern, sondern einem Werbebeitrag lauschst. Wenn Du Dich fragst, wie lange die Werbung schon läuft, könntest Du das nicht sagen. Kennst Du das auch? Mir jedenfalls geht es häufig so. Wenn ich das merke, dann schalte ich fast immer um. Aber bis dahin habe ich schon eine Weile – unbewusst – zugehört (und genau das ist ja auch gewollt von der Werbeindustrie). 

Ich habe mich mal gefragt, wem ich so zuhöre, wenn mein Radio aus und auch sonst keiner anwesend ist. Und das – bin ich. Ja, natürlich – Denken ist im Prinzip eine Art innere Kommunikation mit sich selbst. Ganz sicher lohnt es sich, hier einmal genauer hinzusehen. Denn wie bei jedem Gespräch kann auch die innere Kommunikation mit mir selbst positiv zugewandt sein – oder nicht. Anders ausgedrückt: Wie rede ich eigentlich mit mir selbst? Bin ich achtsam, freundlich, geduldig – oder eher nicht?
 
Vielleicht sollte ich mal vorausschicken, warum ich Dir das erzähle. Das Thema Kinderwunsch kann unermesslich quälend sein. Ein guter Rat ist es, in dieser Zeit achtsam mit sich umzugehen. Viele Dinge fallen mir dabei ein. Ins Kino gehen. Sich mit einer guten Freundin treffen. Ein schönes Bad nehmen. Ein tolles Konzert hören. All dies sind wunderbare Ideen– sie helfen aber nicht wirklich, wenn ständig eine unerbittliche Stimme im Kopf mitläuft, die all meine Bemühungen zunichte macht. Und wenn ich ehrlich bin – meine innere Stimme ist oft schon ganz schön hart.
 
Ich will einparken und schaffe es nicht beim ersten Versuch – dabei war die Parklücke doch echt groß. Na, ist ja klar; so etwas packt jeder, nur ich nicht. Ich will abnehmen; nach einer Woche habe ich nicht weniger, sondern mehr auf der Waage. Sicher – bei anderen funktionieren Diäten, aber bei mir nicht; kann ich eigentlich gleich lassen. Schade eigentlich. Die Aufgabe habe ich abgeschlossen, prima. Andererseits – ein wirklicher Grund zur Freude ist das nun nicht. So schwer war das eigentlich gar nicht. Eigentlich selbstverständlich, dass so etwas gelingt – wenn ich noch nicht mal das gepackt hätte, wäre schon merkwürdig. Ich warte noch auf die Erfüllung meines sehnsüchtigsten Wunsches – was, wenn das nicht klappt? Ob ich dann jemals wieder richtig glücklich sein kann? Überhaupt – wieso klebe ich so an diesem Thema? Wieso schaffe ich es nicht, trotz der inneren Sehnsucht weiterhin froh zu sein? Ginge das nicht auch ganz anders?
 
Eigentlich ziemlich hart, wie man oft mit sich selbst umgeht, oder? Mit einer Freundin würde ich so nicht sprechen – nie! Und wenn mich jemand so behandeln würde – lange würde ich das nicht mitmachen! Wieso also lasse ich es zu, dass ich selbst so mit mir rede? Bin ich mir selbst nichts wert? Wie wäre es, wenn ich nicht nur zu anderen, sondern auch zu mir selbst gut und achtsam wäre? Denn die Vorteile eines besseren Umgangs mit sich liegen auf der Hand: Man ist innerlich ausgeglichener und zufriedener – was man auch nach außen ausstrahlt. Nicht zuletzt führt dies dann sogar dazu, dass einem viele Dinge besser gelingen (und wenn sie nicht gelingen, ist man trotzdem nett zu sich!).
 
Ich nehme mir für diese Woche vor: Ich werde darauf achten, wie ich mit mir selbst innerlich kommuniziere. Und ich werde mich dabei mindestens so respektvoll, freundlich und achtsam behandeln, wie ich andere behandeln würde, die mir etwas wert sind. Wenn ich etwas erreiche, werde ich mich darüber freuen und dafür loben, anstatt das Erreichte klein zu reden. Wenn ich etwas nicht erreiche, werde ich mich nicht niedermachen, sondern mir eine zweite Chance geben und mir vornehmen, aus dem Fehlversuch einfach zu lernen. Wenn ich traurig bin, werde ich mich trösten – etwa wie ich eine gute Freundin oder ein Kind trösten würde. Und ich werde versuchen, etwas Druck aus meinem großen Thema herauszunehmen.
 
Und wenn Dir das nicht in allen Punkten gelingt – sei auch hier freundlich zu Dir! Also nicht: Ich wollte nett zu mir sein und habe es nicht geschafft – das war ja völlig klar; denn ich schaffe ja nie, was ich mir vornehme. Sondern: Ich wollte nett zu mir sein, das ist eine ganz hervorragende Idee. Heute hat es noch nicht ganz geklappt, aber immerhin habe ich einen Anfang gemacht, und morgen mache ich damit weiter.

Vielleicht willst Du das mal ausprobieren – ganz langsam, jeden Tag ein kleines bisschen?
Dass es Dir gut damit geht, wünscht Dir Deine 
Esperanza“

Die liebe Esperanza hat sich wieder einmal Gedanken gemacht. Und ich freue mich total darüber. Denn dieser Text (Achtung, jetzt plaudere ich aus dem Nähkästchen – ein wenig jedenfalls) ist nach einem Coaching entstanden, in dem ich sie zwei oder drei Mal unterbrochen und gestoppt habe. Ich habe sie dann jeweils gefragt, ob sie sich eigentlich selbst mal zugehört hat – ob sie hört, was sie da eigentlich über sich selbst sagt – und in welchem Ton.

Sie hatte so ‚lustige‘ Sätze gesagt wie „ach – auch ohne ein weiteres Kind MUSS das Leben ja NICHT SCHLECHT sein“.

Klingt das gut in Deinen Ohren?

Klingt das so, als würde sie sich damit selbst unterstützen? Nö! In meinen Ohren nicht. Ich höre da eine vermeintliche positive Botschaft, die sich zwischen lauter Mangel-Aspekten (also dem, was ihr im Leben fehlt) versteckt. Sie versuchte, das, was sie vermisst (und was also für sie negativ ist) etwas ‚krampfhaft‘ positiv umzuwandeln und zu überführen. Aber ich sage: Eine solche Formulierung ist nicht positiv. Das ist nicht wertschätzend.

Das ist ein Wolf im Schafspelz. Und das merkt auch das eigene Ich… weil es ein wenig so ist als würde man eine alte Rostlaube neu lackieren und so tun, als wäre es ein total schöner Neuwagen. Wenn es innen nicht stimmt, fährt die alte Kiste nicht besonders weit… egal wie schön sie poliert erscheint. Und so ist das auch mit dem Selbstgespräch!

Besser wäre es doch zu sagen: Ja, ich hätte gerne ein weiteres Kind. Aber ich habe auch so ein ganz gutes Leben mit einem tollen Mann und tollen Kindern. Ich liebe meinen Beruf. Ich freue mich über das, was ich erleben darf. Ich bin dankbar dafür. Ja, da ist eine Lücke in meinem Leben… aber ich habe auch schon ganz viel geschafft und gut hinbekommen. Ja, ich bin liebenswert und ein feiner Mensch.

Sie könnte auch sagen „ach… auch ohne ein weiteres Kind DARF ich zufrieden mit meinem Leben und mir sein“. 

Ob so formuliert oder anders: Das ändert nichts daran, dass die Art und Weise, wie wir mit uns selbst sprechen, etwas bedeutet!

Sei nett zu Dir!

Sei gnädig mit Dir!

 

Zur ganzen Welt bist Du nett, hast Verständnis, unterstützt und ermutigst. Allen anderen gegenüber… nur Dir selbst erlaubst und gönnst Du es Dir nicht.
Das ist himmelschreiend und gemein.

Aber keine Sorge – Du bist nicht zu doof! Es ist (in aller Regel) das Ergebnis unserer Sozialisation… das Ergebnis dessen, wie wir aufwachsen. Je zielstrebiger, je fleissiger und disziplinierter wir in unserem Leben geworden sind, desto eher fordern wir uns… desto weniger sind wir nett zu uns selbst … desto weniger gnädig sind wir mit uns selbst.

Wir fordern uns.

Wir wollen etwas erreichen.

Irgendwann im Leben haben wir gelernt, dass es sich lohnt, sich anzustrengen.

Aber um Himmels willen… ist es wirklich so schlimm, wenn einmal etwas liegen bleibt, weil wir gerade mal etwas Schönes erleben wollen. Ist es so furchtbar, sich selbst nicht einmal etwas zu erlauben, was jetzt gerade gut tun würde. Ist es wirklich fatal für Dich, weil Du nicht sofort gut eingeparkt hast? Reicht es nicht, dass es einfach so ist und Du einen neuen Anlauf nimmt. Musst Du Dich dafür ernsthaft schimpfen und klein machen – und gleich noch alle, die das (ob zufällig oder nicht) nun gerade geschafft haben, auf einen Sockel stellen, der Dir ein noch schlechteres Gefühl gibt.

Komm‘ – lass‘ es sein. Das ist nämlich alles Humbug. Saublöder Quatsch.

Sei nett zu Dir!

Sei gnädig mit Dir!

Drehen wir den Spieß doch noch einmal um – bringt es Dich wirklich weiter, wenn alle Pflichten erledigt sind – aber Du am Ende des Tages nichts hast, wo Du für Dich sagen kannst „… das war schön…“?

Und um noch eine Schüppe ‚draufzulegen: Bringt es Dich Deiner Erfüllung und Deiner Zufriedenheit wirklich näher, wenn Du sagen kannst, dass Du Dich jetzt aber wirklich angestrengt hast… bei etwas, das nicht für Diene Lebensqualität steht? Freust Du Dich, wenn Du Yoga gemacht hast, obwohl Du es gar nicht leiden kannst? Freust Du Dich, wenn Du gebügelt hast – und statt dessen nicht in den Biergarten gegangen bist? Freust Du Dich, wenn Deine bescheuerten Einkommenssteuerbelege sortiert sind – aber Du dafür keinen einzigen Sonnenstrahl abbekommen hast?

Klar kannst Du Dir dann selbst sagen: Ja, aber … dafür ist es erledigt.
Aber das Gefühl der Zufriedenheit, weil Du es erledigt hast, hält deutlich kürzer an, als das, wenn Du etwas Schönes erlebt hast… es gibt Erlebnisse (oftmals übrigens die, wo etwas nicht geklappt hat wie geplant!!!), von denen erzählst Du noch in 10 Jahren!
Und wenn Du anfängst Dir selbst zu sagen, dass Du es nicht mal schaffst schwanger zu werden… dann holt Dich – salopp formuliert – die Katz!

Wenn Du beginnst, Dich selbst herunterzuwürgen, weil Dir das nicht gelingt, was vielen anderen Menschen gelingt (nämlich das schwanger werden), dann ändert das nichts an Deinem Schwangerschaftstest. Aber an Deiner Seele. Weil Du Dich klein machst – schimpft, herabwürdigst. Das ist einfach nicht fair – erst Recht nicht beim Kinderwunsch; weil Du bestimmt nicht Schuld daran bist, dass es so ist, wie es ist.

Also… willst Du ab jetzt nett zu Dir sein?
Willst Du Dir jetzt etwas erlauben?
Willst Du gnädig mit Dir selbst sprechen?

Willst Du gut über Dich selbst denken?
Oder willst Du Dich weiter klein machen – Dich schimpfen und Dir sagen, dass Du ja eh‘ nichts hinbekommst. Nicht einmal das mit dem Kinder bekommen?
Super, dann schimpf‘ ruhig weiter!
Aber frage Dich, ob Du es Dir nicht selbst wert sein darfst, Dich selbst wie Deine engste-liebste-beste Freundin zu behandeln. Denn das bist Du – der Dir nahestechendste Mensch. Und der hat Unterstützung, Ermutigung, nette Worte, achtsame Begleitung und vor allem viel Gnade verdient!
Kinderwunsch Coaching - Beratung und Unterstützung bei Kindersehnsucht
PS: Hier kannst Du noch weiterlesen.. wie Du mit Dir selbst sprechen kannst! Schau‘ mal hier einen früheren Blogpost an (klick).
PS: Der lieben Esperanza habe ich gesagt, dass sie sich selbst nicht gut behandelt. Als Coach höre ich das schneller und eher als man selbst… das ist einfach so, weil wir Menschen uns selbst gegenüber manchmal blind sind… oder nicht ohne Schupps in die Veränderung kommen.
Soll ich auch bei Dir mal schauen, wie Du besser mit Dir selbst sprechen kannst? Dann melde Dich gerne zum kostenlosen Kennenlerngespräch – schreib‘ mir einfach, dass Du gerne einen solchen Telefontermin hättest. Dann sprechen wir über Dich, Deine Situation, die Punkte an denen Du kämpfst und bekommst direkt eine Rückmeldung von mir, was Du tun kannst, damit Du selbst besser auf Dich Acht geben kannst. Meldest Du Dich? Ich freu‘ mich nämlich auf Dich und unser Gespräch!
Franziska Ferber
Franziska.Ferber@kindersehnsucht.de