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Kinderwunschbehandlung: Würdest Du das Alles noch mal machen?

Immer wieder werde ich gefragt, ob ich heute noch einmal so entscheiden würde, wie ich zu Beginn meiner Kinderwunschbehandlungskarriere (was für ein Wort) entschieden habe… ob ich noch mal in die Kinderwunschklinik gehen würde? Ob ich noch einmal die ganzen Hormone nehmen würde? Ob ich das noch einmal meinem Körper zumuten würde? Und ob ich noch einmal das riskieren würde, was ich für mein Seelenheil riskiert habe.

Mir ging es so schlecht in der Kinderwunschklinik. Nicht, weil die Ärzte und Schwestern nicht toll gewesen wären. Nein, sondern weil ich schlicht und einfach die Hormone so gar nicht vertragen habe. In meinem Buch „Unsere Glückszahl ist die Zwei“ schreibe ich ja ausführlich darüber, was sie mit mir gemacht haben – wie schlecht es mir körperlich ging zwischen Überstimulation, aufgequollen sein, Schlaflosigkeit, gefühlter Unberechenbarkeit, dem Gefühl „sich selbst fremd zu sein“ und und und… und ich schreibe darüber, wie sehr ich über Jahre neben mir stand, mich zurück gezogen habe, versucht habe, Wochenende für Wochenende Kraft für die neue Woche zu sammeln, von der ich nicht wusste, wie ich sie überstehen sollte. Das Zuhause war mein Schutzraum. Und gleichzeitig für mich eigentlich grundfalsch – weil es mir vermutlich viel mehr geholfen hätte, in den Wald zu gehen; über Stunden. Weil ich mich dort erhole, lebe, atme… Kraft tanke. Aber manches Mal war es einfach bequemer, Zuhause zu bleiben und die Welt auszusperren.. eine Welt, die ich als so gemein und ungerecht empfand. Weshalb sollte ich mich ihr stellen?

Ich werde immer wieder gefragt, ob ich mich rückblickend frage, was ich damit eigentlich meinem Körper angetan habe. Und ja, das tue ich. Sogar ziemlich oft.

Ich habe all’ diese Hormone genommen für die ICSI Behandlungen. Ich habe sie nicht vertragen und mich übernommen – körperlich und seelisch. Aber all’ das war es mir wert. Angesichts dieser tiefen Sehnsucht und dieser existentiellen Hoffnung, eine Familie werden zu dürfen.

Ich glaube heute, dass ich damals gar nicht anders entscheiden konnte.

Ein JA schlägt ein NEIN.

Eine CHANCE schlägt eine rationale Abwägung.

Erst recht, wenn es um Urinstinkte geht… um unser tiefstes Selbstverständnis als Mensch.

Wer Angst in einer realen Krisensituation hat, der überlegt nicht lange, ob er wirklich rennen soll. Er rennt. Das wurde auch umfangreich beschrieben – unsere ursprünglichen Muster funktionieren dann, wenn wir keine Ressourcen haben, zu überlegen.

Es gibt Studien darüber, wie wir Menschen funktionieren und wie wir letzten Endes Entscheidungen treffen. Und – schockierend oder entlastend; je nach Thema und Perspektive – wir treffen sie immer zunächst auf der emotionalen Ebene. Es ist meßbar, dass wir im Inneren längst wissen, wie wir uns entscheiden bevor unser lustiger Kopf anfängt, Gründe dafür oder dagegen zu finden. Wenn wir wider unsere „eigentliche Entscheidung“ entscheiden, wird es schwierig. Dabei nehmen wir oftmals die „Nebenwirkungen“ billigend in Kauf – wenn die Sehnsucht größer ist als der Preis, den wir dafür zu entrichten haben.

Wahrscheinlich würde jede „Kinderwunsch-Frau“ alles gut ertragen können, wenn es eine Garantie gäbe… wenn man ihr sagen würde „noch 4 Versuche, die scheitern. Noch 2 Jahre und 7 Monate leiden. Aber dann… dann klappt es und Du wirst Dein Wunschkind bekommen.“

Wenn wir den Gewinn hoch genug einschätzen (und das Wunschkind zu bekommen, können wir hier doch mal kurz als „Gewinn“ bezeichnen, auch wenn wir alle wissen, dass es viel tiefer geht), dann sind wir in aller Regel bereit, den Preis dafür zu zahlen.

Aber wie ist das beim Kinderwunsch? So ganz ohne Garantie?

Da überwiegt lange Zeit die Hoffnung. Die Sehnsucht. Und das lässt einen das Risiko in Kauf nehmen. Weil die Sehnsucht schwerer wiegt als alles andere.

„Ich muss es versuchen, damit ich mir später nichts vorzuwerfen habe“ – ein klassischer Gedanke; ich hatte ihn auch.

Wenn man schon merkt, dass man eigentlich nicht mehr kann, dann hilft dieser Gedanke einen zu motivieren, durchzuhalten.

Die Internetforen sind voll von solchen gegenseitigen Motivationsrufen: „Wir geben nicht auf – wir halten durch – gebt nicht auf, Mädels!“

Mir kommt das oftmals fremd vor. Als Coach denke ich, dass das auch nicht immer wirklich gut ist. Auch wenn es sich erst einmal gut anfühlt. Mitfiebernde – Mithibbelnde – Mithoffende… nicht alleine sein mit seinem Schicksal. Und wenn es dann bei anderen klappt, liegt der Gedanke nahe, dass man selbst früher oder später an der Reihe ist. Was aber, wenn es eher „später“ oder sogar „nie“ ist?

Manchmal denke ich, dass ich mir selbst gegenüber fahrlässig gehandelt habe. Weil ich mich immer wieder zusammengerissen habe, gezwungen habe, durchzuhalten. Auch dann, wenn in mir schon alles rief, dass ich nicht mehr kann.

Ich musste es am eigenen Leib erfahren. Dieses NIE EINE FAMILIE WERDEN. Grauenvoll. Körperlich war das hart; seelisch noch härter. Doch, irgendwann musste ich beginnen, mich selbst zu retten… ganz unten hat man keine Wahl mehr. Die wird dann für einen getroffen – egal, ob man selbst sagt „ich habe genug getan; es ist gut – es reicht“ oder eben leider auch nicht.

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Heute denke ich, dass der Kinderwunsch deshalb so schwer zu ertragen ist, weil man das Ergebnis nicht selbst in der Hand hat. Man kann sich anstrengen so viel man will – ob es am Ende klappt, ist Schicksal. Aber das sind wir nicht gewohnt. Wir haben nie gelernt damit umzugehen, dass wir etwas nicht selbst in der Hand haben. Dieses Ausgeliefertsein lässt einen wie wild agieren; noch mehr.. noch ein Versuch.. noch ein Ovu-Test-Zyklus.. noch ein Präparat.. noch ein Tipp, der ach so dolle irgendwem geholfen hat.

Wir tun letzten Endes mehr vom Gleichen… noch mehr anstrengen; noch mehr suchen. Es kann doch nicht sein, dass man nichts tun kann.

Anstrengen… anstrengen… durchhalten… anstrengen. Über alle Grenzen hinweg. Über alle Kräfte hinweg.

Das würde ich heute anders machen; da bin ich inzwischen sicher. Weil ich weiss, wie schwer das Aufräumen der Seele und des Körpers wird, wenn man nicht beizeiten und immer wieder auf sich Acht gibt.

Aufzuräumen nach einem Tornado ist schwieriger als 2x im Monat den Rasen zu mähen.
Aufzuräumen, wenn man nur 2 Teller, 2x Besteck und 2 Gläser zu spülen hat, ist leichter, als wenn das gesamte Geschirr verbraucht ist und sich alles im Spülbecken sammelt.

Ja, ist ein schräger Vergleich… aber manchmal helfen diese banalen Beispiele um etwas auf den Punkt zu bringen.

Ja, heute würde ich mich nicht mehr wie eine Irre anstrengen – sondern leben. Ja, ich würde die Behandlungen wegen meiner Sehnsucht wieder ertragen… aber ich würde mehr für mich sorgen, für meinen Körper, meine Seele… mehr Pausen machen; mehr auf mich Rücksicht nehmen. Ich würde leben und mich WENIGER ANSTRENGEN.

Ich würde weniger opfern. Sonst steht man nämlich am Ende, wie ich, mit vollkommen leeren Händen da: Ohne Kind, ohne schöne Erinnerungen… vor einem riesengroßen, stacheligen Scherbenhaufen.

Heute sage ich, dass ich zu oft über meine (damals längst spürbaren) Grenzen gegangen bin. Heute sage ich, dass ich es nicht besser wissen konnte, aber dass mich dieses „über Grenzen“ gehen doch erheblich mehr geschwächt hat als alle Hormone zusammen.

Heute sage ich, ich hätte mir jemanden gewünscht, der mir gesagt hätte, dass ich den Traum vom Kind gehen lassen darf und dennoch glücklich werden kann und der mir dabei geholfen hätte, das im tiefsten Inneren zu spüren.

Wie gut wäre es für mich gewesen, wenn mich jemand dabei begleitet und unterstützt hätte, mich selbst  aus der Verantwortung zu entlassen. Wie gut wäre es für mich gewesen, wenn mir jemand geholfen hätte zu sehen, dass ich mich genug angestrengt habe. Wie gut wäre es für mich gewesen, wenn ich jemand an meiner Seite gehabt hätte, der mir geholfen hätte zu sehen, dass ich alles getan habe… und es nun in der Hand vom lieben Gott, dem Schicksal oder dem Universum liegt.

Ich selbst habe zu lange gebraucht um das zu verstehen und zu sehen… und zu fühlen. Ich war so fixiert auf meinen Traum vom eigenen Kind, dass ich nicht darüber hinaus denken konnte. Weil wir gar keine Alternative für uns sehen; sozusagen im Tunnel stecken.

Diese irre Gleichung „Kind = Glück; kein Kind = Unglück“, die sich irgendwann irgendwie einschleicht, überprüfen wir gar nicht mehr auf seine Wahrhaftigkeit für uns selbst. Sie ist da. Und sie wird so hingenommen. Aber ist das so für uns – empfindet man wirklich so? Glück nur mit Kind? Ernsthaft?

Es gibt die „3 Siebe des Sokrates“. Er sagt, man möge – Bitteschön – bei Allem für sich zunächst prüfen:
1. Ist es wesentlich?
2. Ist es wahr?
3. Ist es wohlwollend?

Erst, wenn man sich selbst ehrlich 3x JA auf die Frage sagen kann, solle man sich weiter mit ihr beschäftigen.

Wer nicht für sich klärt, ob diese Gleichung „Kind = Glück“ wirklich wahr ist, der rutscht in das, was ich „die Abwärtsspirale“ nenne. Diese Spirale aus „Ich habe schon sooooo viel versucht; ich kann doch jetzt nicht aufhören – dann haben sich ja meine ganzen Mühen nicht gelohnt“. Diese Spirale als Selbstmotivation und –zwang, Ermutigung und Hoffnung. Ein Cocktail – insgesamt vielleicht einer zu viel.

Du darfst aufhören Dich anzustrengen, wenn Du Deinen Teil zum Schicksal beigetragen hast. 

Ob ich es geglaubt hätte? Nicht beim ersten Versuch. Vielleicht auch noch nicht beim zweiten Versuch. Wobei…? Vielleicht doch. Aber spätestens dann, als die „Realitätsabschätzung“ die Hoffnung begann zu überwiegen, da hätte ich es gehört.

Ja, ich würde heute wieder in die Kinderwunschklinik gehen. Ja, ich würde die Hoffnung immer noch höher ansetzen als die Risiken. Denn man kann niemand ausreden, es zu probieren. Dazu ist die Sehnsucht zu groß und oftmals zu ursprünglich.

Aber, hätte ich damals das gewusst, was ich heute weiss, dann würde ich anders agieren: Ich würde mit einer anderen Haltung in die Klinik gehen. Ich würde mehr auf meine Grenzen achten. Ich würde meinen Körper und meine Seele von Anfang an stärken und achtsam mit mir sein. Ich würde meinen Beitrag leisten; das tun, was ich tun kann. Es dann aber auch gut sein lassen. Den Horizont erweitern, das Leben genießen. Heute würde ich mich ernst nehmen – und nicht „nur meinen Kinderwunsch“. Ich würde dafür sorgen, dass die besten Jahre nicht einfach so an mir vorbei ziehen. Und dafür würde ich mir heute Begleitung und Unterstützung suchen.. und zwar nicht erst, wenn alles Geschirr schon zerbrochen auf dem Boden liegt.

Bis zu 85% aller Menschen, die vor der Entscheidung stehen, ärztliche Unterstützung in Kauf nehmen zu müssen, um sich ihren Traum vom Wunschkind (hoffentlich) erfüllen zu können, befürchten deutlich spürbare psychische Beeinträchtigungen.

Dazu sage ich aus meiner eigenen Erfahrung aber auch als Kinderwunsch Coach: Ja, die werden aller Wahrscheinlichkeit nach kommen. Und ja, damit muss man umgehen. Und besser früher als später. Wer sich darauf vorbereitet, geht anders damit um. Wer Unterstützung auf diesem Weg hat und für sich selbst Verantwortung übernimmt, übersteht diese schwierige Zeit meistens erheblich besser.

Dir wünsche ich die Klarheit, nicht einfach immer weiter zu machen. Ich wünsche Dir die innere Ruhe, Dich selbst zu fragen, ob Du noch auf dem richtigen Weg bist. Und vor Allem wünsche ich Dir, dass Du für Dich sehen kannst, wann Du Dich genug angestrengt hast; Deinen Beitrag geleistet hast und die Verantwortung abgeben kannst.

„Immer weiter“ macht’s nicht besser – auch wenn Du mal gute Gründe hattest, den Weg einzuschlagen.
Mehr vom Gleichen hilft Dir nicht. Wer einen besseren Umgang mit seiner Situation finden will, muss neue Wege einschlagen. Ich unterstütze Dich dabei; weil ich inzwischen bald 10 Jahre Erfahrung mit dem unerfüllten Kinderwunsch habe – persönlich, als Betroffene und als Kinderwunsch Coach… und inzwischen so manchen Trick, so manche Methode habe, die hilft.

Würde ich meinen Kinderwunsch-Weg noch einmal gehen? Ja. Aber anders.
Wenn Du neue Wege, eine neue Strategie für Dich entdecken willst, dann unterstütze ich Dich gerne auf Deinem Weg. Dann melde Dich bei mir.

Eine wunderbare Frau, die bei mir im Coaching war, sagte aus tiefster Seele „Ich weiss, dass ich auch ohne Kind glücklich werden kann. Ich weiss nur noch nicht, ob ich mir das auch erlauben darf.“ Wir haben dann über ihre Ängste und Gedanken gesprochen. Sie steht am Scheidepunkt: Wie weiter. Sie sagte dann aber auch „ich DARF doch HOFFNUNG haben… auf ein glückliches Leben, oder?“. Ich habe JA gesagt. Weil mancher Weg irgendwann zu Ende ist und ein neuer beginnt. Irgendwann ist es Zeit, neue Wege einzuschlagen – ob mitten im Kinderwunsch oder beim Abschied nehmen.

Mein Weg wäre leichter gewesen, wenn ich Manches früher gewusst und anders gemacht hätte. Aber das muss ja nicht heißen, dass Du nicht über Deinen Weg nachdenken und Manches auch noch ändern kannst, oder? Weil…Du kannst es noch ändern!

Kinderwunsch Coaching - Beratung und Unterstützung bei Kindersehnsucht

PS: Diese Frage nach dem „was würdest Du anders machen“ ist mir in letzter Zeit sehr oft von Frauen gestellt worden. Wenn Dir auch eine Frage an mich auf dem Herzen brennt, zu der ich mal schreiben soll, dann schreib‘ mir gerne eine Nachricht. Hier geht’s zum Kontaktformular – da geht’s ganz schnell und einfach. Ich freu‘ mich darauf und bin gespannt… schreibst Du mir jetzt?

Franziska Ferber
Franziska.Ferber@kindersehnsucht.de