Heute habe ich eine E-Mail von einer mir vollkommen unbekannten Dame bekommen. Sie dankt mir für meine Arbeit; schreibt, diese sei sehr wichtig: Sie wisse, wie es sei, jahrelang keine Kinder trotz medizinischer Unterstützung bekommen zu können. Sie wisse, welche erheblichen Auswirkungen ein unerfüllter Kinderwunsch...

Am Wochenende war ich auf einer sagenhaft schönen Hochzeit. Sie begann mit einer katholischen Trauung und der Pfarrer fragte das Brautpaar – einen nach dem anderen – wie üblich, ob sie gewillt seien, die Kinder anzunehmen, die Gott ihnen in der Ehe schenke. Um es...

IMG_1351Ich kann Euch sagen: Man wird verdammt erfinderisch. Kaum ist man in einer festen Beziehung oder Ehe, Anfang 30, seit ein paar Jahren erfolgreich im Job – zack! – kommen die lieben Verwandten (allen Menschen, die sich befähigt fühlen, intimste Fragen zu stellen) und begrüßen einen nur noch mit einem Blick auf den Bauch. Wenn sie dann einen ganz besonders mutigen Tag haben, fragen sie auch gerne mal unverblümt nach: Du bist ja gar nicht schwanger - wollt Ihr denn etwa gar kein Kind?! Bähm! Das sitzt! Das sitzt sogar ganz besonders, wenn man selbst sich sehnlichst ein Kind wünscht, übt – und Monat für Monat enttäuscht wird. Was soll man dann sagen? Verdammt – wir üben und es klappt nicht? Ich kann Euch sagen: Ich habe das probiert. Und ich habe es bald wieder gelassen, weil ich auf das, was dann kam nicht vorbereitet war: Mitleid, Mitgefühl und schließlich eine ganze Reihe wohlmeinender aber oft nicht hilfreicher Tipps.

Gestern las ich, wie so oft, online die Nachrichten. Ich bin ein konservativer Mensch und habe viele Jahre in meinem Leben in und mit der Politik verbracht. Aber gestern staunte ich mal wieder, denn ich musste lesen: „Kinderlose sollen höheren Beitrag zur Renten-Versicherung zahlen“. Ja bravo! Ein weiterer Strafbeitrag! Nicht nur, dass wir Kinderlose ja schon in der Pflegeversicherung einen solchen Strafbeitrag zahlen müssen – nun soll das auch noch bei der Rentenversicherung passieren.

IMG_2521Haben wir die Sehnsucht nach einem Kind erst einmal bei uns wahrgenommen, stehen große Entscheidungen stehen an: Will ich wirklich ein Kind? Geht mein Partner verlässlich mit mir diesen Weg? Wie passt ein Kind in mein Leben? Was bedeutet das für die mühsam erarbeitete Karriere? Leider gibt es häufig nicht allzu viele Gesprächspartner, die konstruktiv mit einem die passenden Antworten erarbeiten. Stattdessen muss man sich mit gutgemeinten aber oft nicht hilfreichen Ratschlägen wohlmeinender Menschen auseinander setzen. Wenn dann im Freundes- und Bekanntenkreis der Reihe nach alle fröhlich schwanger werden und zauberhafte Kinder bekommen, entwickelt man manchmal das Gefühl, selbst nicht Schritt halten zu können. Dabei geht manchmal die lebensfrohe Leichtigkeit und sogar das Gefühl ‚eine tolle Frau zu sein’ zeitweise verloren.