„Muss ja, haha!“ – Warum so eine Antwort Dich unendlich viel kostet!

Heute früh musste mein kleines, heiss geliebtes und uraltes Auto in die Inspektion. Und zum TÜV. Also, einen der ersten Termine im Autohaus gebucht. Vor Ort eine nette Begrüßung und die Bitte, doch noch kurz in der Lounge (ja, echt) zu warten.
Und während ich da so sitze, das Handy kein Netz hat und der TV mit der morgendlichen Newssendung zu weit weg für meine echt schlechten Augen (nein, ich trage keine Brille – was nicht bedeutet, dass ich nicht eine hätte!) steht, blicke ich mich um und höre dem munteren Treiben an den Servicedesks zu.

„Und wie geht’s“ fragt ein Kollege den anderen im Vorbeilaufen.
„Muss ja.“ sagt der Befragte
Ende des Gesprächs.

Kurz danach andere Menschen, die sich begrüßen:
„Guten Morgen, alles schick?“
„Ja“ – aber der Ton sagt etwas (gaaaaaaaaanz) Anderes.

Und natürlich kann ich mir vorstellen, dass morgens im Job nicht allzu viel Zeit ist für echte Gespräche. Dennoch gewinne ich den Eindruck, dass nahezu alle Gespräche genau so ablaufen.

Und ich finde es F.Ü.R.C.H.T.E.R.L.I.C.H.
Ich gehe fast so weit zu sagen, wenn das die Form der Begrüßung und das Maß an Interesse an einem anderen Menschen ist, dann lasst es doch einfach zu fragen, wie es geht.
Dann reicht doch ein „Guten Morgen“ als Begrüßung, oder?
Das ist dann wenigstens ehrlich.

Aber zu fragen wie es jemandem geht OHNE der Antwort wirklich Aufmerksamkeit zu schenken, finde ich grauenvoll.

Vor ein paar Jahren hörte ich aus erster Hand eine entsetzliche Beichte. Es ging um einen Meister bei einem großen produzierenden Unternehmen, der durch seine „Halle“ lief und schaute, ob Alles seinen gewohnten Gang geht. Er erzählte, dass es für ihn dazu gehören würde, seine Leute während des Rundganges zu fragen, ob „Alles ok“ ist. Diesem Muster folgten die Mitarbeitenden wohl auch und lieferten „angepasste Antworten“.
Bis einer sagte „Nein, heute ist nicht alles in Ordnung. Es geht mir schlecht. Meine Mutter ist gestern gestorben“. Darauf hin hat der Meister diesem Mitarbeiter beim Weitergehen locker auf die Schulter geklopft und gesagt „wunderbar, weiter machen“ und folgte seinem Rundgang.

Krass.
So, so, so krass.

Der Meister erzählte es mir selbst und war zutiefst über sich selbst entsetzt, wie er sich so sehr von seiner Erwartungshaltung und der Norm, dass man auf eine solche Nachfrage mit „gut“ antwortet, leiten lassen konnte, dass er diese Aussage schlichtweg gar nicht wahrgenommen hat.
Ja, er war wirklich zutiefst erschüttert über sich selbst.
Und ich verstehe das.

Wir folgen den ganzen Tag Mustern.
Wir leben in einer durchaus normierten Welt.
Wir erwarten, dass jemand auf eine Standard-Frage X sagt.
Und genau deshalb hören wir gar nicht zu.
Genau deshalb schauen wir den Menschen nicht ins Gesicht und schon gar nicht in die Augen.

Ist das das, wie Du leben möchtest?
Ich nicht.
Definitiv nicht.

Entweder ich stelle eine Frage – dann will ich auch die Antwort hören. Und zwar die wirkliche Antwort; die wahrhaftige – wissentlich, dass es mich aus meinem Zeitplan bringen könnte. Dann „muss“ ich mir eben die Zeit nehmen.

Einem anderen Menschen eine Frage zu stellen bedeutet, dass man auch die Antwort hören will. Wenn ich das nicht möchte oder aus was für Gründen auch immer gerade nicht kann, dann darf ich auch nicht fragen.

Was für ein Gefühl bleibt dem Anderen, wenn ich frage und er antwortet – aber ich ihn in dieser Antwort nicht ernst nehme? Oder er mich nicht, in dem er eine „Normierte Antwort“ („gut“ oder so) gibt?

Lasst uns uns ernst nehmen!
Stellt Fragen, wenn Ihr Antworten hören wollt und könnt. Und wenn es nicht geht, dann fragt nicht – sondern stellt etwas Beschreibendes in den Raum wie bspw. (ganz simpel) „Guten Morgen. Kalt heute.“.
Das ist schon Grundlage genug für Smalltalk.

Und wenn Du gefragt wirst, dann überlege Dir, was Du sagen möchtest! Normierte Antworten sind Null-Aussagen. Kann mal helfen. Aber eigentlich ist es sinnlos.

Wenn Du unter Deinem Kinderwunsch leidest und kämpfst aber gleichermaßen findest, dass Dein Gegenüber keine wahre Antwort bekommen soll… dann wechsele ins Beschreibende.
„Guten Morgen. Kalt heute“ mit dem Ton des Feststellens ist hundertmal besser für Dein inneres Gefühl als „gut“ zu sagen und sich unterirdisch mies zu fühlen. Denn dann verkaufst Du – flapsig formuliert – Deine Inneres. Und das ist es nicht wert!

Übrigens: Genau dieser Gedanke des „Wer Fragen stellt, sollte auch Antworten bekommen (wollen)“ gilt auch dann, wenn Deine Freundin bspw. schwanger ist und Du deshalb noch ein bißchen mehr kämpfst als sowieso schon! Wenn Du sie nach der Schwangerschaft fragst, wirst Du Antworten bekommen. So viel ist sicher.

Überleg‘ Dir, was Du für Fragen stellst! Und welche Antworten Du auf Fragen gibst.
Denn manchmal (oft!) ist der beste Weg, sich – trotz Angst – auch verletzlich zu zeigen und über seine Fragen/Sorgen/Ängste/Nöte etc. zu sprechen… wenn Dein Gegenüber Dir wirklich zuhört!

Kinderwunsch Coaching - Beratung und Unterstützung bei Kindersehnsucht

PS: Autopilot-Antworten sind (sorry) shitte!
Denn Du erhöhst damit die emotionale Distanz zwischen Deiner Aussage „gut“ und dem wahren Gefühl. Gar nicht gut! Du fühlst Dich damit nur noch schlechter. Nicht gleich; aber auf Sicht.

Autopilot-Modus nimmt Dir mehr als Du glaubst! Gerade beim Aushalten und im Umgang mit dem Kinderwunsch! Und genau deshalb ist es gut, Schritt für Schritt Dein Leben und Deine Lebensbereiche durchzugehen und zu schauen, WO DU etwas FÜR DICH verändern kannst, damit es Dir a) besser geht und b) Du auch für echte Gesprächsthemen sinnvolle Inhalte finden kannst. Denn worüber soll man mit den Kollegen (bspw.) reden, wenn Du nicht vom Kinderwunsch – und damit Deinem Hauptthema – erzählen willst? Du brauchst mehr Selbstwirksamkeit, mehr Handlungsspielraum.
Und – bevor ich es vergesse: Das beste Gegenmittel gegen das Gefühl von Autopilot, Durchhalten und Fassade hochhalten ist, wieder zu entdecken, wo und wie Du für Dich aktiv werden kannst!

Ja, TUN ist besser als AUSHALTEN!
PS: –> www.kinderwunsch-wunsch-wirklichkeit.de
Nur noch bis 10.02.2020 buchbar!

Und wenn Du diesen Kurs nicht (mehr) absolvieren möchtest (oder kannst, weil Du diesen Artikel erst nach dem 10.02.2020 liest) und Dich lieber mit Deiner Kommunikation im Kinderwunsch beschäftigen möchtest und wirklich herausfinden möchtest, wie Du mit nervigen Fragen und schwierigen Situationen mit Deiner Freundin und Kollegin etc. umgehen möchtest, dann schau‘ Dir das hier unbedingt an: www.kinderwunsch-kommunikation,de – buchbar ohne zeitliche Begrenzung.
Warte nicht; löse die Probleme, die Du lösen kannst. Denn Druck hast Du eh‘ schon genug!

Franziska Ferber
Franziska.Ferber@kindersehnsucht.de